Naturverbindung ist ein Thema, das mich seit einiger Zeit intensiv beschäftigt und über das ich hier künftig noch öfter schreiben möchte. Bevor ich das tue, möchte ich erzählen, wie sich meine eigene Beziehung zur Natur im Laufe meines Lebens entwickelt hat. Ich bin in einem kleinen Dorf in Süddeutschland aufgewachsen und hatte das Glück, dass ich in einem großen Haus mit einem großen Garten leben durfte. Besonders im Sommer verbrachte ich jede Menge Zeit draußen, in den 90ern gab es bei mir als Kind glücklicherweise auch noch kein Internet und dementsprechend auch keine Smartphones. Das Leben war weniger hektisch und deutlich weniger mit Reizen überflutet als heute. Ich erinnere mich noch wie mein Bruder und ich meiner Mutter dabei geholfen hatten diverse Gemüsesorten anzubauen. Und abgesehen vom Gemüsebeet gab es auch Blumenbeete mit Stauden und anderen Zierpflanzen, aber zwischendrin gab es auch Obst und Beeren. Ich mochte es zu sehen, wie sich die Pflanzen entwickelten. Aber ich interessierte mich nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für Insekten, besonders für Schmetterlinge und Bienen.

Ich fing manche davon mit einem Fischnetz ein, um sie mir anzuschauen und ließ sie dann wieder frei. Ein ganz besonderer Moment war als ich einen Schwalbenschwanz im Netz hatte. Ich hatte ihn schon vorher auf Bildern gesehen und wusste, dass es ein ganz besonderer Schmetterling ist. Meine Mutter wies mich jedoch darauf hin, dass er zu den bedrohten Arten gehört und so ließ ich ihn genauso schnell frei wie ich ihn gefangen hatte. Und nicht nur in unserem Garten gab es viel zu entdecken, sondern auch bei den Nachbarn. Südlich von unserem Garten wohnte eine ältere Frau namens Käthe die auch jede Menge Gemüse anpflanzte. Ich besuchte sie öfters mal in ihrem Garten und schaute auch dort, was ich so entdecken konnte.
Die Verbindung kehrt zurück
So wuchs ich also mit der Verbindung zur Natur im Garten auf, aber ich denke, dass ich diese Verbindung so in der Jugend verloren hatte und ab dann erstmal andere Dinge wichtig waren. Damals erschien mir all das selbstverständlich. Erst viel später wurde mir bewusst, wie prägend diese Erfahrungen gewesen waren. Ich begann diese Verbindung wieder zu entdecken während meines ersten Sabbaticals in 2019/2020. Hier war ich unter anderem auf dem portugiesischen Jakobsweg und ich war bei einem Waldbadeseminar.

Ab dann kam die Verbindung so in ganz langsamen Schritten wieder. Ich begann allein durch Wälder und große Parks zu streifen. Anfangs war das ungewohnt. Doch je häufiger ich unterwegs war, desto mehr bemerkte ich Dinge, die mir früher entgangen waren: das Rascheln der Blätter, Vogelstimmen, das Licht zwischen den Baumkronen oder den Duft der Erde nach einem Regenschauer.
Die Natur wartet geduldig
Besonders verstärkt wurde meine Verbindung zur Natur während meines Burnouts im Jahr 2023, als ich anfing die Vögel auf meinem Balkon zu füttern und es auch in den dunklen Momenten eine Konstante war das Futter nachzufüllen. Ich fing an vieles zu hinterfragen und entschleunigte mein Leben. Ich besorgte mir auch ein Insektenhotel und konnte auch hier beobachten, wie sich die Röhrchen langsam füllten. Fasziniert war ich als sich ein türkis-pink-farbenes Insekt, eine Goldwespe, an meinem Insektenhotel zeigte.

Rückblickend habe ich das Gefühl, dass die Natur mich nie bewertet hat. Sie war einfach da. Während ich vieles in meinem Leben hinterfragte, sangen die Vögel weiter vor meinem Fenster, die Wildbienen bezogen ihre Röhrchen im Insektenhotel und die Jahreszeiten gingen ihren gewohnten Weg. Gerade darin lag etwas Tröstliches. Die Natur wollte nichts von mir, sie musste nicht überzeugt werden und sie erwartete keine Leistung. Vielleicht ist das ein Teil dessen, was ich heute als ihre liebende Kraft empfinde.

Von den Jahreszeiten lernen und Halt finden
Früher war ich eine ganze Weile der Meinung, dass ich ausschließlich ein Sommermensch bin und die ganzen anderen Jahreszeiten doof finde. Auch das änderte sich mit zunehmender Verbindung zur Natur. Ich fing an in den verschiedenen Jahreszeiten unterschiedliche Qualitäten wahrzunehmen und es gab und gibt mir auch immer noch Halt zu beobachten, wie weit die Natur zum jeweiligen Zeitpunkt gerade ist.

So habe ich das Gefühl ein Teil von etwas Großem zu sein und fühle mich eingebunden. Je mehr ich die Kreisläufe der Natur beobachte, desto stärker wird dieses Gefühl. Alles scheint miteinander verbunden zu sein. Wachstum, Vergehen und Neubeginn gehören selbstverständlich dazu. Das erinnert mich immer wieder daran, dass auch schwierige Phasen Teil eines größeren Prozesses sein können. Ich habe angefangen schöne Details der Natur zu fotografieren und in den sozialen Netzwerken zu teilen und beobachtete, dass es viele berührte aber nicht alle meine Begeisterung teilten. Aber dies änderte nichts an meiner Begeisterung. Wenn ich auf einem Spaziergang oder auf einer Exkursion in der Natur bin, gibt es Momente wo ich mich so richtig im Flow fühle und voller Faszination und Liebe für diesen Reichtum der Natur bin. Später besuchte ich Workshops, Vogelwanderungen und Vorträge über Naturgärten und Permakultur.

Naturverbindung und Mitgefühl
Bevor ich mich an diesen Beitrag gesetzt habe, habe ich ein weiteres Kapitel im Buch „Halt finden in sich selbst“ von Georg Lolos gelesen, indem es um Mitgefühl ging – für sich selbst und andere aber auch für Pflanzen und Tiere. Was ich ganz faszinierend an Lolos‘ Büchern finde ist, dass er eine Verbindung herstellt zwischen der Verfassung der Welt im Hinblick auf Klima und darauf, wie die mentale Gesundheit der Menschen einen Einfluss darauf hat wie man mit Ressourcen wie zum Beispiel der Natur umgeht. Ich hatte das bis dahin noch gar nicht so betrachtet, aber es erscheint mir sehr einleuchtend. Ich denke, dass das auch noch ein interessantes Thema ist, das ich in einem weiteren Beitrag aufgreifen kann. Heute empfinde ich Naturverbindung nicht mehr nur als Interesse an Pflanzen, Vögeln oder Insekten.

Sie erinnert mich immer wieder daran, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und mich als Teil eines größeren Ganzen zu erleben. Zu diesem Thema gibt es noch viel zu schreiben – dieser Beitrag soll deshalb nur ein erster Einstieg sein.
Wie stehst du zur Natur? Fühlst du dich naturverbunden? Falls nein, warst du es früher einmal?