Anfang des Jahres habe ich einige Podcastfolgen über minimalistische Haarpflege, „No-Poo“ und graue Haare gehört. Überraschenderweise hat mich das Thema viel mehr beschäftigt, als ich erwartet hätte. Das hat mich sehr inspiriert und auch dazu motiviert zu meinen langsam grauer werdenden Haaren zu stehen. Aber bevor ich dazu komme, lass mich ein bisschen ausholen.
Erste graue Haare mit 22
Ich bin jetzt 34 und habe meine ersten grauen Haare mit 22 bekommen. Ich erinnere mich noch sehr genau wie ich damals in meinem WG-Zimmer in Cheltenham saß und mich morgens vor dem Spiegel schminkte und für meinen Arbeitstag fertig machte. An diesem Tag kam irgendwas anders. Denn ich sah in den Spiegel und hatte mir die Haare zu einem Dutt gemacht und aus dem Ansatz schimmerte etwas. Und da waren sie. Erste graue Haare. Ich glaube es waren zwei oder drei ganz kurze graue Haare. Ich war überhaupt nicht begeistert. Denn ich verband mit grauen Haaren alt werden und fand das nicht passend für mein Alter. Und ja ich weiß, dass das jetzt sehr negativ formuliert ist, aber das spiegelte meine Haltung zu dem damaligen Zeitpunkt wider. Ich glaube, dass das mein unterschwelliges Gefühl, irgendwie falsch, anders oder nicht auf dem richtigen Weg zu sein triggerte. Und ich verstand es damals auch nicht als meine Mutter aufhörte, ihre Haare zu färben und zu ihren grauen Haaren stand. Also musste ich in dem Moment ja etwas tun. So griff ich zur Nagelschere und schnitt die grauen Haare ab. Ausreißen wollte ich sie nicht, denn das tut ja weh und Schmerzen wollte ich wegen den grauen Haaren auch nicht haben. Das ging dann eine Weile so, denn sie wuchsen ja nach.
Die Phase mit Henna und Pflanzenfarbe
Als ich dann zum Master in Spanien war, war ich immer noch kein Fan meiner einzelnen grauen Haare und da ich aber auch dabei war, meine Haare lang zu züchten wurde die Option Pflanzenhaarfarbe interessant für mich. Denn ich versprach mir davon, dass sie einerseits meine grauen Haare abdecken und meine Haare kräftigen würde. Letzteres wird Henna und anderen Pflanzenhaarfarben nachgesagt. Also ging ich immer mal wieder an die Farbe. Ich musste aber mit der Zeit feststellen, dass die grauen teilweise nicht gut getroffen wurden. Und die Haare wurden immer dunkler. Ich habe von Natur aus dunkelbraune Haare und mit der Zeit waren sie dann fast schwarz.
Zwischen Anpassung und Experimentieren
Das war mir irgendwann zu viel und so ließ ich es wieder rauswachsen. Denn die Ironie war, dass ich ja zwischenzeitlich auch immer wieder den Wunsch hatte hellere Haare zu haben. Du merkst schon – so ganz entscheiden konnte ich mich hier nicht. Ich hatte zwischenzeitlich auch nochmal blonde Strähnen gehabt und auch diese wieder rauswachsen lassen. Dann hatte ich die Haare in den letzten fünf Jahren einfach sein lassen und habe nur ab und an mal eine Schaumtönung in Rot und Lila verwendet welche so um die 8 Haarwäschen hält. Zwischendurch hatte ich auch Komplimente bekommen für die dezenten grauen Strähnen, die mein Gesicht umrundeten. Aber es gab auch kritische Kommentare von allen Geschlechtern. So etwas wie „Du hast da graue Haare – die müssen weg!“ oder ein „Boah du bekommst ja schon richtig graue Haare“ in leicht abwertender Tonlage. Im Herbst 2025 habe ich dann inmitten dieser Umbruchs- und Neuanfangssituation, in der ich jetzt stecke, bei einem Friseur meines Vertrauens eine Intensivtönung machen lassen. Er war sehr nett und hat meine Farbwünsche so umgesetzt, wie ich es mir vorgestellt habe. So hat mein dunkelbraunes Haar mit feinen grauen Strähnen einen magentaroten Schimmer bekommen und manche von den ganz weißen Haaren haben pink geleuchtet. Das sah schon ganz cool aus, aber ich musste auch feststellen, dass meine Haare eine ganze Weile ziemlich gestunken haben mit der Farbe. Inzwischen gibt es einen sanften 3cm Ansatz und ich bin gespannt, ob sich die Farbe noch mehr rauswäscht, denn die 24 Haarwäschen sind nicht alle erledigt und die Farbe aber schon deutlich verblasst. So kam bei mir wieder die Frage wie ich weitermache. Ich habe mich gefragt, ob ich ein Henna mahagonirot draufsetzen soll, aber dann kam mir der Gedanke, dass ich so richtig in den Färbekreislauf komme. Eine Zeit lang spielte ich auch mit dem Gedanken, künftig eine helle Pflanzenhaarfarbe zu verwenden. Das könnte noch eine sanfte Option sein, auf die ich in Zukunft noch zurückkommen könnte.
Der Perspektivwechsel und wie ich jetzt über graue Haare denke
Aber dann kam ich in den letzten Wochen wieder vermehrt auf den Gedanken meine Haarpflege noch minimalistischer zu gestalten. Und dadurch kam ich auch auf den Podcast „Haarweisheiten“ indem einerseits über natürliche Haarpflege und „No-Poo“ aber auch über graue Haare gesprochen wird. Nach einigen Folgen habe ich Lust bekommen, das Experiment nochmal zu wagen und habe auch viel bestärkendes zum Thema graue Haare gehört. Ich habe danach auf Instagram nach „Silversisters“ geschaut und sehr viele inspirierende und mutige Frauen gesehen, die ihre Haare grau tragen oder gerade Farbe rauswachsen lassen, um die Haare dann im natürlichen grau zu tragen. Das hat nochmal so einen richtigen Perspektivwechsel gemacht. Ich war zwar vorher auch schon so weit, dass ich meine grauen Haare zumindest annehmen konnte, aber jetzt habe ich mir sogar überlegt, dass da auch ein richtig schönes natürliches Farbspiel daraus werden könnte, wenn sie länger sind. Mir wird dabei immer bewusster, wie stark der gesellschaftliche Druck auf Frauen ist, graue Haare zu kaschieren. Oft entsteht unterschwellig das Gefühl, möglichst lange jung wirken zu müssen — und dass Attraktivität mit sichtbarem Älterwerden verloren geht. Dabei beginnt dieser Druck für viele Frauen schon ab 30. Und das ist ziemlich fragwürdig. Genauso wie das Thema Make-up. Aber das ist nochmal ein großes Thema für sich – zum Thema Beautyprodukte und Produktkreisläufe mach ich vielleicht nochmal einen separaten Post.
Wie gehst du mit grauen Haaren um? Lässt du sie einfach wachsen oder färbst du sie?
Falls du färbst, soll sich dieser Post keinesfalls wertend anfühlen — am Ende zählt vor allem, dass du dich wohlfühlst.
Und falls du das Gefühl hast, es vor allem für andere zu tun, kann es vielleicht spannend sein, einmal genauer hinzuschauen.